Quartier4

  Quartier hoch 4 Urheberrecht: Angelina Bolten  

Neue Instrumente im Quartier

Quartiere sind das Lebensumfeld, in denen für die Bürgerinnen und Bürger die Lebensqualität einer Stadt greifbar und erlebbar wird. In Quartieren wirkt der physische Stadtraum mit funktionalen Angeboten und sozialen, kulturellen wie ökonomischen Prozessen zusammen. Damit lassen sich Quartiere als räumliche Systeme verstehen, deren Komplexität – im Gegensatz zur Gesamtstadt oder gar Region – jedoch noch begreifbar ist und die von den Akteuren vor Ort aktiv entwickelt und gestaltet werden können. In Städten gibt es eine Vielzahl von Quartierstypen, die je unterschiedliche Begabungen und Herausforderungen haben. Eine aktive Quartiersentwicklung seitens der Kommune ist in einigen Quartieren notwendig – andere Quartiere «laufen» von alleine.

Städte stehen zahlreichen Trends und Treibern gegenüber, Städte ziehen (wieder) Menschen an, von Städten kann und muss Wandel ausgehen. Quartiere sind ein Schlüssel für diesen Wandel, hier lässt sich das System Stadt konkret transformieren. Zukunftsfragen stellen sich beispielsweise in Bezug auf den Umgang mit einer bunten und älter werdenden Gesellschaft, die Wirkung der Digitalisierung, die Zukunft der Daseinsvorsorge, die weitere Erstarkung des Online-Handels, den Wandel von Lebensstilen mit weiter zunehmender Individualisierung und Vereinsamung, neuen Möglichkeiten, Präferenzen und Notwendigkeiten für einen umfassenden Wandel der Mobilität.

Das Projekt nimmt die Handlungsebene Quartier in den Blick und untersucht, wie neue Angebote und Services im Quartier neu kombiniert werden können, um wirkungsvoll den Herausforderungen der Städte zu begegnen, Wandel anzustoßen und im Bestand wie im Neubau neue Lebensqualität vor Ort zu entwickeln. Die Ausgangshypothese des Projekts ist, dass sich aktuell eine Vielzahl neuer Angebote in den Bereichen Wohnen, Freiraum, Soziales, Bildung, Pflege, Mobilität, Versorgung, Logistik entwickelt – getrieben sowohl von technologischen, sozialen oder räumlichen Innovationen. Die «Macher» und «Betreiber» dieser Angebote sind äußerst vielfältig und vielfach unübersichtlich. In klassische kommunale Aufgabenbereiche drängen Anbieter der Privatwirtschaft, aber auch Verbände, Vereine, Initiativen sowie Bewohner und Nutzer vor Ort entwickeln neue Aktivitäten. Dies birgt neue Chancen: In der geschickten Implementation und auch der Kombination neuer Angebote können Quartiere für breite Zielgruppen und jenseits bisheriger sektoral ausgerichteter Ansätze neue Attraktivität erfahren. Zugleich deuten sich Risiken an: Private Anbieter okkupieren den öffentlichen Raum, neue Angebote sind nicht ausreichend zugänglich für verschiedene Zielgruppen und gefährden daher die soziale Teilhabe, die Marktlogik marginalisiert bestimmte Lagen und Quartiere.

Forschungsfragen
Das Projekt wird entlang von drei Forschungsfragen entwickelt und durchgeführt. Ergänzend zum forschungsorientierten Ansatz werden im Projekt konkrete Planungsansätze und Instrumente für Quartier entwickelt.

  1. Welche neuen Angebote und Services im Quartier?

  2. Welche Koordinations- und Steuerungsbedarfe?

  3. Welche Effekte als Instrumente der Quartiersentwicklung?

Projektablauf
Das Projekt entwickelt sich über sieben Bearbeitungsstufen in engem Dialog mit den beteiligten Kommunen. Ausgangspunkt bildet die (1) Abfrage von aktuellen Entwicklungen und Bedarfen auf kommunaler Seite sowie die Nennung relevanter Quartiere für die Entwicklung neuer integrierter Handlungsansätze. Die identifizierten Quartiere werden zu (2) Quartiersfamilien gebündelt. (3) Neue Angebote und Services im Quartier werden breit recherchiert, systematisch erfasst sowie geclustert und typisiert. Entlang der entwickelten Systematik werden (4) Fact Sheets erstellt, welche einen fundierten Überblick und Einblick in die Angebote und Services geben, welche für die Quartiersentwicklung relevant sein können. Die ermittelten Ansätze werden einer (5) Schnittstellenanalyse unterzogen, um potenzielle Synergien und auch Konflikte in Bezug auf Raum, Nutzer und bereitstellende Akteure zu ermitteln.

Mit diesem Wissensstand werden (6) Handlungspakete für die identifizierten Quartiersfamilien in Szenarien entwickelt und die Effekte auf den Raum und die Zielgruppen abgeschätzt. Darauf aufbauend werden (7) Instrumente zur Implementierung systematisch zusammengestellt und auf ihre Chancen und Risiken hin bewertet.

 

Projektinformationen

  1. Auftraggeber
    Konsortium von Städten und Wohnungsbaugesellschaften unterstützt durch den Deutschen Städtetag
  2. Bearbeitung
    Prof. Dr. Agnes Förster, Dr. Nina Berding, Angelina Bolten
  3. Bearbeitungszeitraum
    Mai 2020 bis März 2022
  4. Leistungen Pt
    Gesamtprojektleitung
  5. Vorstellung der Zwischenergebnisse und 1. Arbeitsworkshop
    am 12. Oktober 2020