Migration ein Thema der Stadtentwicklungspolitik?

  • Migration - a Matter of Urban Development Politics?

Berding, Ulrich; Selle, Klaus (Thesis advisor)

Aachen : Publikationsserver der RWTH Aachen University (2007)
Doktorarbeit

In: PT_Materialien 14
Seite(n)/Artikel-Nr.: VIII, 252 S. Ill., graph. Darst., Kt,

Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2007

Kurzfassung

In der Dissertation geht es um die Frage, ob und inwiefern die Stadtentwicklungspolitik Stadtentwicklungskonzepte dazu nutzt, Aufgaben und Herausforderungen anzugehen, die sich aus der Zuwanderung und der Präsenz von Migranten in der Stadt ergeben. Hierzu werden zunächst wesentliche Themenfelder der Migration herausgearbeitet, die einen Bezug zur Stadtentwicklung aufweisen. Entlang dieser Themenfelder werden sechs ausgewählte Stadtentwicklungskonzepte auf ihre migrations- und integrationsbezogenen Aussagen untersucht. Die Arbeit gliedert sich in drei Kapitel: Nach einer Auswertung aktueller Fachliteratur benennt und diskutiert das erste Kapitel den Themenschwerpunkt "Migration". Von zentraler Bedeutung sind zunächst die in den aktuellen Debatten verwendeten Begrifflichkeiten, insbesondere der Begriff der "Integration". Ein weiterer Aspekt ist die Entwicklung der Zuwanderung in Deutschland: Die Bundesrepublik ist seit ihrem Bestehen Ziel von Zuwanderern; als Folge unterschiedlicher Zuwanderungsprozesse leben zur Zeit etwa 12 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Ziel von Zuwanderung waren vor allem westdeutsche Großstädte und dort von bestimmten Merkmalen gekennzeichnete Stadtviertel, in denen sich also migrationsbezogene Themen in einem besonderen Maße stellen. Es ergeben sich vielfältige Entwicklungen und Phänomene, die für die Stadtentwicklungspolitik von Belang sind Bevölkerungsentwicklung, Segregation, Wohnen, Arbeit und Bildung, kulturelle Aspekte. Zusammen mit dem Thema der Integration sind dies die wesentlichen Aspekte, die in der Fachdiskussion als bedeutsam herausgestellt werden. "Migration" ist demnach mit ihren vielfältigen Ebenen ein Querschnittsthema der Stadtentwicklung. Das zweite Kapitel der Arbeit befasst sich mit dem Themenschwerpunkt "Stadtentwicklung". Ein kurzer Rückblick beleuchtet die Paradigmen und Rahmenbedingungen der Stadtentwicklungspolitik seit den 1960er Jahren und vor allem die Ver- und Anwendung von Stadtentwicklungskonzepten. Es wird festgestellt, dass Stadtentwicklungskonzepte Möglichkeiten und Potenziale bieten, migrationsbezogene Fragen zu behandeln. Die grundsätzlichen Überlegungen zu Migrationsthemen auf der einen und zur Stadtentwicklungspolitik auf der anderen Seite bilden die Grundlage zur Erarbeitung einer "Migrations-Bestandsaufnahme" ausgewählter aktueller Stadtentwicklungskonzepte. Entlang eines einheitlichen Untersuchungsrasters wird analysiert, wie die untersuchten Stadtentwicklungskonzepte Aussagen zu den genannten Themenfeldern der Migration treffen. Eine abschließende Betrachtung im dritten Kapitel greift die anfänglich formulierten Fragen auf: Ist Migration ein Thema aktueller Stadtentwicklungskonzepte? Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Stadtentwicklungspolitik die Bedeutung von "Migration" als Thema bislang nur fragmentarisch erkannt hat. Stadtentwicklungskonzepte werden nur zurückhaltend dazu genutzt, dieses Thema in die Stadtentwicklungspolitik zu transportieren. Dass dies keine einfache Aufgabe ist, bleibt unbestritten. Um Fragen der Migration in Stadtentwicklungskonzepten angemessen zu berücksichtigen, sind vielfältige Herausforderungen zu bewältigen: Der Komplexität des Themas ist Rechnung zu tragen; der Stellenwert der Migrationsfragen im Stadtentwicklungskonzept sollte der realen Bedeutung dieser Fragen im Stadtentwicklungsgeschehen annähernd entsprechen; das Stadtentwicklungskonzept sollte gerade im Themenfeld der Migration mit anderen (Fach )Konzepten verzahnt werden. In den Prozess der Erarbeitung des Stadtentwicklungskonzepts sollten Migranten eingebunden werden. Darüber hinaus sollte der Dialog mit Wissenschaftlern gesucht werden, um so einen Wissenstransfer zu befördern. Generell könnte ein Stadtentwicklungskonzept in allen Phasen der Bearbeitung dazu genutzt werden, das Themenfeld der Migration mit der Öffentlichkeit zu erörtern. Die Arbeit benennt am Schluss bestehende Lücken und macht auf weiteren Forschungsbedarf aufmerksam: Die Stadtentwicklungskonzepte geben nur wenige Hinweise über die tatsächlichen Aktivitäten in den jeweiligen kommunalen Themen- und Handlungsfeldern; ebenso ist ein Stadtentwicklungskonzept zwar ein Resultat und ein Ausdruck kommunalpolitischer Diskussionsprozesse, doch bleibt eine näher zu untersuchende Diskrepanz zwischen den in den Stadtentwicklungskonzepten sichtbar werdenden politischen Zielen und Haltungen und denen, die außerhalb der Stadtentwicklungskonzepte diskutiert werden. Eine dritte Lücke ergibt sich wiederum zwischen der kommunalpolitischen Programmatik und dem realen Handeln vor Ort jenseits der politischen Agenden. Die Arbeit schließt mit dem Ausblick, dass Migration nicht nur als Thema der Stadtentwicklungspolitik stärker wahrgenommen werden muss, sondern dass darüber hinaus viel dafür spricht, Migration zu einer Aufgabe der Stadtentwicklungspolitik zu machen.

Einrichtungen

  • Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung [212110]

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